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Kampfkünste im Schulsport? - Ja!

Im Kerncurriculum für den Schulsport in Niedersachsen (2007) findet man neben anderen sportiven Erfahrungs- und Lernfeldern (ELF) auch das Kämpfen. In wohl keinem anderen Erfahrungs- und Lernfeld ist die Bezogenheit auf ein Gegenüber so deutlich wie in diesem.

Oft wird kämpferisches Sich-Bewegen in verantwortlicher und kultivierter Form mit Aggressivität und gegenseitiger körperlicher Schädigung assoziiert und damit fehlgedeutet. Solche Missverständnisse sollte der Sportunterricht aufgreifen und korrigieren, dergestalt, dass gezeigt und geübt wird, wie man rücksichtsvoll mit dem Partner kämpfen kann. Die Grundhaltung, selbst für die Unversehrtheit des Kampfpartners verantwortlich zu sein, ist in diesem Zusammenhang unverzichtbar (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, 2007).

Für das Kämpfen als grundlegendes menschliches Verhaltensmuster werden in der Sportpädagogik folgende Argumente angeführt:

Kämpfen fördert die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen; im Kämpfen werden Erfahrungen gemacht, die in symbolischer Weise auf etwas Allgemeines hinweisen; Kämpfen macht Spaß (vgl. Funke, 1988); Kämpfen fördert die soziale Entwicklung der Heranwachsenden (vgl. Happ, 1998).

Besonders wichtig ist der Einbezug von Ritualen beim Kämpfen, die den gegenseitigen Respekt der Kampfpartner, die Fairness und die Unversehrtheit des Gegenübers veranschaulichen resp. sicherstellen.

Nach dem Kerncurriculum sollen beim Kämpfen folgende Aspekte aufgegriffen werden:

„• das faire Verhalten und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Partnerin oder dem Partner in verschiedenen Kampfsituationen,

• den situationsangemessenen Einsatz der eigenen Kraft,

• das Spüren und das Beherrschen von Emotionen und das Ausschließen unkontrollierter aggressiver Handlungen,

• das Sich-Einlassen auf den direkten körperlichen Kontakt,

• das Einhalten von Regeln.“

(Niedersächsisches Kultusministerium, 2007)

Meines Erachtens können Bewegungsformen aus den ostasiatischen Kampfkünsten (z. B. Aikido, Judo, Karatedo, Taijiquan usf.) solchen Vorgaben gerecht werden. Diese werden als Kampf gegen sich selbst beschrieben (vgl. Neumann, 2004, S. 49f.); Aggressionen, Unkonzentriertheit und rücksichtsloses Erfolgsstreben sollen überwunden werden. Durch das besondere Setting – ostasiatische Kampfkünste werden in einem Dojo (zu deutsch: ‚Ort des Weges‘) geübt – und den damit verbundenen Ritualen kann soziales Lernen initiiert werden. Überdies ermöglichen Bewegungsformen wie Taijiquan oder Qigong spezifische Körpererfahrung, Aufmerksamkeit nach Innen und selbstbezogene Reflexion.

Mit einfachen Übungen und Spielformen kann an diese anspruchsvollen Bewegungs- und Kampfformen herangeführt werden.

Literatur:

Funke, J. (1988). Ringen und Raufen. In Sportpädagogik 4, S.13-21.

Happ, S. (1998). Zweikämpfen mit Kontakt. In Sportpädagogik 5, S. 13-23.

Neumann, U. (2004) ‚Da wird ja noch Gewalt beigebracht!‘ – Über Kampfkunst und Kampfsport. In U. Neumann, M. von Saldern, R. Pöhler & P.-U. Wendt (Hrsg.), Der friedliche Krieger. Budo als Methode der Gewaltprävention (S. 40-55). Marburg: Schüren.

Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg., 2007). Kerncurriculum für die Schulformen des Sekundarbereichs I. Schuljahrgänge 5-10. Sport. Hannover: Unidruck.

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