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Kempo

In seiner überaus lesenswerten Dokumentation "Kempo. Die Kunst des Kampfes" benutzt Dolin (1988) den Terminus Kempo für Bewegungskünste, wie sie im ostasiatischen Raum anzutreffen sind.

Darunter fallen chinesische Übungsformen wie Qigong, Taijiquan und die zahlreichen Wushu-Stile, sowie japanische Bewegungskünste, etwa Judo, Aikido, Iaido, Kendo, Kyudo und Karatedo; auch Kampfkünste wie das koreanische Taekwondo werden zum Kempo gezählt.
Wie kann Kempo beschrieben werden? "Kempo ist die Lehre, der ganze Komplex einer geistigen und körperlichen Kultur, es sind die viele Jahrhunderte alten Traditionen des Kampfes, die sich in ununterbrochener Entwicklung befinden. Kempo ist der Weg zur Realisierung der im Osten populären Konzeption der Einheit vom Mikrokosmos der menschlichen Persönlichkeit und dem Makrokosmos, vom Erreichen einer Harmonie mit der Welt und sich selbst." (Dolin, 1988, S. 13)
Damit wird deutlich, dass Kempo mehr ist (oder sein kann) als das Überwinden eines Gegners im (sportlichen) Kampf. Aus diesem Grund werden Bewegungsformen des Kempo oft als Künste bezeichnet.

Der Begriff Kunst kann folgendermaßen beschrieben werden:
"Kunst ist– in welchen Bereichen man sie auch sehen mag – nie etwas Zufälliges. So sehr sie im Einzelnen auf Begabung, Geschenk, Überwältigung beruht, ist sie doch immer das Gegenteil von ‚gut gemeint‘, vom harmlosen Laufenlassen der Worte, des Meißels oder der Farben. Sie ist Aufgabe, Verantwortung, und sie erfordert den Einsatz des Lernens, Meditierens und Übens, der ganzen Person." (Heinz-Mohr, S. 13)

"Kunst ist ja nicht bloße Inspiration und weiter nichts, sondern Kunst ist doch etwas, was man erlernen und schaffen muß und wo man auch sehr an sich arbeiten muß." (von Weizsäcker, S. 17) (Beide Zitate sind entnommen aus Mäckler, 2000.)

Demnach beinhaltet die Kunst auch immer eine Arbeit an der eigenen Person. In diesem Sinne kann man auch die Kampfkünste als solche auffassen:
"In China und in Japan sowie auch in Korea und in Vietnam besaß der Begriff der Kampfkünste einen ganz anderen Sinn als im Westen. Nicht der Sieg über einen Gegner war das Ziel beim Studium des Kempo, sondern der Sieg über sich selbst, die Überwindung der eigenen Schwächen und Mängel. Die Schule des Kempo war eine Schule des Lebens." (Dolin, 1988, S. 14).

Gemeinhin werden ostasiatische Bewegungskünste in Qi-Übungen (Neijia; sog. innere Systeme) und Kampfkünste (Waijia; sog. äußere Systeme) unterteilt (vgl. Lind 2001, S. 493) . Bei den Kampfkünsten beschäftigt man sich in der Hauptsache mit dem Kampf gegen echte oder imaginäre Gegner. Qi-Übungen kultivieren die innere (Lebens-) Kraft, Qi. Am Bewegungssystem Taijiquan, welches einen Kampf- sowie einen ‚Qi-Aspekt‘ aufweist, lässt sich sehr gut ersehen, dass Kampfkünste und Qi-Übungen zwei Seiten einer Sache, Kempo, sind.

Literatur:
Dolin, A. (1988). Kempo. Die Kunst des Kampfes. Berlin: Sportverlag.
Lind, W. (2001). Das Lexikon der Kampfkünste. Berlin: Sportverlag.
Mäckler, A. (2000). 1460 Antworten auf die Frage: Was ist Kunst? Köln: Dumont.

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